Die Wegwerfgesellschaft

Jedes Mal auf’s Neue war es für mich eine bedrückende Erfahrung. Schon eine Stunde bevor sich die Ladentüren öffneten reichte die Schlange der Wartenden bis auf die Straße. Hauptsache, einen guten Platz ergattern. Hauptsache, den Einkaufskorb endlich füllen. Die Kunden im Laden der Jülicher Tafel konnten es kaum erwarten, die gut gefüllten Regale des Geschäfts zu durchforsten. Pro Artikel zahlten sie einen symbolischen Preis von 10 Cent. „So haben sie nicht das Gefühl, Almosen entgegen zu nehmen“, erklärten mir damals die Verkäuferinnen.

Eine paradoxe Situation

Dabei bezahlten die Kunden Geld für Waren, die eigentlich im Müll gelandet wären. Kistenweise sortierten wir – die vielen ehrenamtlichen Helfer – Lebensmittel, die die Supermärkte bereits aus ihren Regalen geräumt hatten:  Gemüse, Obst, Backwaren und abgepackte Produkte, die kurz vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum standen. Für die Händler war der Abholservice der Tafel oft wohl ein günstiger Weg der Entsorgung. Für die Kunden machte es den Wocheneinkauf erst möglich.

Paradox, doch kein Einzelfall. In Deutschland gibt es inzwischen fast 900 Tafeln, die sich im Bundesverband „Deutsche Tafel“ zusammengeschlossen haben. Und alle haben ihre Berechtigung. Pro Jahr werden in der Europäischen Union rund 90 Millionen Tonnen Lebensmittel vernichtet. Das ist der hohe Preis für das Angebot, das die Supermärkte den Konsumenten täglich machen: eine große Auswahl, lang haltbare Lebensmittel, makelloses Obst und Gemüse. Kaum zu glauben: Während eine Million Menschen auf der Welt hungert, wird hierzulande jedes fünfte Brot entsorgt.

Ab heute im Kino: „Taste the Waste“

Der Film „Taste the Waste“ (Valentin Thurn) greift genau diese Problematik auf. Heute kommt er in die Kinos, zeitgleich mit dem dazugehörigen Buch „Die Essensvernichter“ (Stefan Kreutzberger und Valentin Thurn). Beleuchtet werden unter anderem die Geschichte der Überproduktion, die Entwicklung der westlichen Ess- und Konsumgewohnheiten sowie deren Auswirkungen auf die Entwicklungsländer.

Homepage zum Film: www.tastethewaste.de

Homepage zum Buch: www.essensvernichter.de

Ich persönlich werde den Film nicht im Kino gucken können, leider läuft er nicht in Würzburg. Also muss ich wohl auf die DVD warten. Das Buch steht allerdings schon auf meiner Favoritenliste – ich werde berichten!

Quelle: Welthungerhilfe

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Ein Kommentar zu “Die Wegwerfgesellschaft

  1. Heyho!

    Ich wollte an dieser Stelle anmerken, dass ich es bewundere, dass du beschlossen hast, trotz aller Widrigkeiten (und ich weiß, dass derer einige sind), deinen Weg zu gehen. Wenige machen sich die Mühe unser Leben, wie wir es jetzt führen zu hinterfragen. Es ist unbequem und je mehr man fragt, desto mehr bemerkt man, dass man guten Gewissens so eigentlich nicht weitermachen kann. Und dennoch ändern wir nichts…

    Wie sagte der weise Herr Hugo so schön:
    „Den Menschen fehlt es nicht an Kraft; allein ihnen fehlt der Wille.“

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