Der Deutschen liebstes Gemüse

Die Moderatorin schlägt einen bedrohlichen Tonfall an. Den ist man bei Spiegel TV zwar bereits gewöhnt, aber dennoch klingt es erst einmal viel versprechend. Dass der wachsende Fleischeshunger nur mit einem gleichzeitigen Sittenverfall einhergehen kann, ist keine wirklich neue Nachricht. Dass Massentierhaltung ein Problem für Mensch und Tier werden wird, vielleicht schon eher – je nachdem, wer vor dem Fernseher sitzt. Von „katastrophalen Auswirkungen“ ist die Rede, ehe eine mögliche Lösung präsentiert wird.

Ist Verzicht die Lösung? Sind Vegetarier die besseren Menschen? Oder muss der Fleischliebhaber in Zukunft einfach etwas mehr Gemüse essen?

So wichtig es ist, dass dieses Thema in den Massenmedien thematisiert wird, so schwierig ist es anscheinend, der Problematik gerecht zu werden. Das zeigt dieser Spiegel TV-Beitrag allemal. Es sollte wohl ein Rundumschlag werden. Gelungen ist er nicht, finde ich. Der Beitrag bleibt oberflächlich – auch wenn die gezeigten Szenen in Schlachthäusern und großen Mastställen eine intensive Recherche vermuten lassen (sollen).

Tierschützer in Unterwäsche

Schon allein die drei anfangs gestellten Fragen zeigen, dass der Beitrag in eine falsche Richtung läuft. Vegetariern wird unterstellt, sich für bessere Menschen zu halten, die ihren Fleisch essenden Mitmenschen nichts als Vorwürfe machen. Passenderweise müssen als Beweis einige Tierschützer herhalten, die sich bei eisiger Kälte in Unterwäsche und mit Rote-Beete-Saft auf einem überdimensional großen Teller rekeln. Sie wollen auf die Millionen Tiere aufmerksam machen, die getötet werden, um unser Genussverlangen zu stillen.

Einseitiges Porträt

Natürlich haben die Aktivisten recht. Aber solche öffentlichen Proteste sind nur ein kleiner Ausschnitt einer vielschichtigen Bewegung. Es gibt inzwischen deutlich mehr Argumente gegen den Fleischkonsum als den Tierschutz. Und nicht alle Veganer würden eine solche Aktion unterstützen. Ich zum Beispiel halte sie nur bedingt für förderlich, weil sie andere Menschen eher abschreckt als sie zu informieren. Schade, aber gleichzeitig nicht überraschend, dass die Sendung ausgerechnet solche Bilder und O-Töne auswählt, um die Gegner der Massentierhaltung zu porträtieren. Dass sich dazu noch ein älterer Passant äußern darf, der die ganze Aktion als totalen Blödsinn bezeichnet, versinnbildlicht nur noch, wie hier Vorurteile aufgebaut und gestärkt werden, anstatt sie zu bekämpfen.

Keine Chance für Lösungen

Besser weg kommen hingegen die vielen Menschen, die sich für eine bessere Art der Fleischproduktion engagieren. Bauern, die ökologisch wirtschaften und/oder nur 20 erlesene Kühe im Stall stehen haben, stehen natürlich gut da, wenn vorher die Massenabfertigung eines Schlachthauses gezeigt wurde. Nicht, dass ich den Trend hin zu ökologischer, regionaler und reduzierter Produktion nicht unterstützen würde. Schließlich setzt auch das erst einmal ein neues Nachdenken über Fleisch voraus – und das ist nötig. Aber die halbnackten Tierschützer in der Fußgängerzone gegen den netten Bauern vom Lande auszuspielen, macht einfach keinen Sinn. So entstehen keine Lösungen, sondern Konflikte.

Dieses Missverhältnis kann leider auch Björn Moschinski nicht auflösen. Der vegane Koch wird bei seiner Arbeit in einer Mensa gezeigt. Leider verschmähen die meisten Gäste sein Gericht. Und gefühlt hat Moschinski auch nicht halb so viel Zeit, seine Motive zu erläutern, wie der Edel-Metzger, der sein Steak für 40 Euro verkauft und Fleisch wieder zu einem wahren Luxusgut erheben möchte, das sich nur der wohlhabende Teil der Bevölkerung leisten kann.

Lieber Schnitzel-Wettessen

Während der tragische Weg der Kuh mit der Nummer 96845, der wie ein roter Faden durch den Beitrag führen soll (ebenso wenig überraschend wie inhaltlich wertvoll), nachgezeichnet wird, kommen immerhin auch kurz der Klimawandel und die Ressourcenverschwendung zur Sprache. Bei beidem spielt die Massentierhaltung eine wichtige Rolle. Aber deswegen ganz auf Fleisch verzichten? Das scheint nicht in Erwägung gezogen zu werden. Zu groß wäre der Verlust für die jungen Männer, die sich beim Schnitzel-Wettessen eben noch die Bäuche voll geschlagen haben.

Wichtiges bleibt auf der Strecke

So erscheint die Lösung am Ende ganz leicht: Weniger und besseres Fleisch. Inzwischen kann man das ja sogar im Internet bestellen. Während andere Dinge auf der Strecke blieben, hatte der Beitrag für solchen Firlefanz genug Zeit. Genauso wie für einen Besuch in den Laboren, wo künstliches Fleisch hergestellt oder der Methanausstoß von Rindern erforscht wird. Technische Möglichkeiten gibt es also genug, um den Konsumenten zu entlasten. Zu sehr verzichten muss er nicht. Und Veganer? Nach diesem Beitrag würde ich sagen: Eine kleine militante Minderheit auf verlorenem Posten, die keine Argumente hat und den Rest der Menschheit fertig machen will.

Oh je, mir war gar nicht klar, was für ein schlechter und bemitleidenswerter Mensch ich bin. Gut, dass mich solche Sendungen aufklären.

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15 Kommentare zu “Der Deutschen liebstes Gemüse

  1. „Vegetariern wird unterstellt, sich für bessere Menschen zu halten, die ihren Fleisch essenden Mitmenschen nichts als Vorwürfe machen. “

    wenn aber vegetarier das bessere tun (nämlich kein fleisch essen), wieso sollen sie sich dann nicht auch besser fühlen dürfen? ein vegetarier ist besser als ein fleischesser, genauso wie ein gesetzestreuer ist als ein straftäter, ein nichtraucher besser als ein raucher, ein ehrenamtlich tätiger besser als ein partygänger…
    ich versteh nicht, wieso ausgerechnet vegetariern das vorgeworfen wird. klar ist man als vegetarier nicht perfekt, aber man gibt sich mühe, und ich finde da darf man sich dann auch gut fühlen.

    • hallo mausflaus und willkommen in der monokausalität!
      a.) hast du eine genetische determination, die dich einfach physiologisch zum fleischesser macht! falls du dagegen bist, ist das deine sache. und falls du der meinung bist das es niocht gut ist, wie viel fleisch konsumiert wird und das arme globale ökosystem zerstört wird, solltest du dich informieren wie medien gemacht werden, wer entschiedet welches medium durchgesetzt wird, wie ein markt funktioniert und dann was über die reaktionäre meinungsmache von menschen! letzteres ist ein psychologicher effekt. genauso psychologisch wie: „ich weiß selbst, dass ich n schlechter mensch bin und massivst der ökologie schade und eigentlich müsste sich die menschheit umbringen um was zu ändern, aaaber, ich gehöre zu den oberen zehntausend und sage mir und meinen mitmenschen, dass ich ein guter mensch bin indem ich vegetarier/veganer bin“ das zu reflektieren und anzunehmen kommt auch erst gar nicht in frage, weil ich mich als menschen in frage stellen muss, da ich mich zu sehr als ein solcher mensch definiert habe. für einige gibt es nicht mehr den menschen, der sich als mensch definiert und zusätzlich vegetarier ist, oder zusätzlich raucher oder sonst.
      und somnit kommen wir zu b.) wie entscheidet ein mensch oder ein schlag voll menschen, dass andere scheiße sind. willkommen schublade. gut, dass ihr noch nie fleisch gegessen habt, danach ne kippe geracuht habt und dann einen netten discoabend hattet!

  2. ist richtig! aber partiell carnivor unterwegs zu sein ist auch nicht unnatürlich. also ist vegetarismus nicht das richtige, so wie einige es propagieren. nur natürlich ist natürlich. und das beudeutet ungleich sojaprodukte!

    • du meinst sojaprodukte werden im atomreaktor per kernfusion hergestellt, während das gute fleisch per keule im wald erlegt wird?
      guck dir die massentierhaltung doch mal an…. das sind fleischfabriken. was da noch natürlich dran sein soll?

      • wieder einmal irgendewtas aus der „ichhabekeineahnung“-schublade rausgekramkt!
        die fleischindustrie hat nichts mehr mit natürlichkeit zu tun, das ist richtig. aber warum verwechselst du schon wieder physikalische grundprozesse mit menschlichen ansichten? kernspaltung, wird überwiegend in atomreaktoren durchgeführt, ist ist momentaan nicht 100% kontrollierbar, ansosnsten wäre es die effizienteste aller energiequellen und zusätlich sauberer als windräder oder wasserturbinen. letztere sind sogar ökosystemgefährdend.
        aber fakt ist dennoch, dass ne menge regenwald abgeholzt wird um ein paar sojaprdoukte herstellen zu können. und wie viel CO2 kann so ein quadratmeter wald fassen? so aushänge-vegetarier/veganer sind doch befürworter der anthropogenen globalen erderwärmung, oder? falls ja, dann noch n kleiner tipp! nicht immer so viel von medien leiten lassen, sondern eoinfach mal was darüber lesen, was wissenschaftliches, einfach nur paar harte fakten. dann gibts es menschen die das unbeeinflusst interpretieren können. treibhauseffekt, was ist das? (nämlich cnihts böses), was ist der größte CO2-Speicher (nein, nämlich cniht pflanzen) und was ist der kohelnstoffzyklus (und das der längerfristige geeochemische zyklus, nicht der kleine biologische den alle noch eigentlich aus der 9ten klasse kennen sollten)! und vorsicht, wissenschaftliche bildung gefährdet die von medien vorgegebene meinung.

  3. Veganismus hat nichts mit nätürlich zu tun, ich wollte lediglich ein beliebtes Argument unserer omnivoren Mitbürger kommentieren. Veganer wollen die Bedingungen für Mensch und Tier nachhaltig verbessern.

  4. Nicht schlecht, das hast du gut recherchiert. Und es macht mir auch ein schlechtes Gewissen mit dem Flug, das muss ich zugeben.

    Aber ich möchte folgendes hinzufügen:
    1. Isst der Deutsche im Schnitt 88kg Fleisch pro Jahr und nicht wie du 24kg (jetzt nur auf Schweinefleisch bezogen).
    Das heißt, du bist nicht repräsentativ.

    2. Beziehst du deine Argumentation nur auf Co2. Das ist falsch, weil bei der Tierhaltung auch Methan und Lachgas freigesetzt werden, die um ein Vielfaches stärker wirken als Kohlendioxid. „Das Worldwatch Institut fand im Bericht „Livestock and Climate Change” heraus, dass die Herstellung von Fleisch, Eiern und Milchprodukten für mindestens 32,6 Milliarden Tonnen Kohlenstoffdioxid pro Jahr verantwortlich ist – das ist über die Hälfte aller weltweiten Ausstöße von Treibhausgasen. Da Methan, das vor allem in der Tierwirtschaft entsteht, wesentlich klimarelevanter ist als Kohlenstoffdioxid, aber zugleich auch eine geringere Halbwertszeit hat, sehen die Autoren der Studie gerade hier den richtigen Ansatzpunkt, um schnell und effektiv zu handeln.“

    3. Hinzu kommt, dass nicht nur die Fleischproduktion eine Menge Klimagase erzeugt, sondern auch die Herstellung anderer tierischer Produkte, also auch Milch, Eier, Butter etc. Auch die Herkunft spielt natürlich eine Rolle (Transport, Wasserverbrauch etc…)

    4. Es geht mir nicht darum, anderen den Appetit zu verderben. Ich möchte darauf aufmerksam machen, welche Folgen die Massentierhaltung hat und wie leicht man durch eine Ernährungsumstellung etwas bewirken könnte. Das heißt ja nicht gleichzeitig, dass ich Flüge für harmlos halte. Ich bin 2009 nach Ghana geflogen. Vor drei Jahren war ich noch nicht so weit in meiner gedanklichen Entwicklung. „So jemand wie ich“ möchte einfach nur sein Bestes tun, um die Welt positiv zu verändern. Dabei spielen viele Faktoren eine Rolle. Der Einfluss auf das Klima ist für mich nur ein Grund, vegan zu leben. Und nur weil es noch schlimmere Dinge gibt als die Massentierhaltung, heißt das nicht, dagegen nichts tun zu müssen.

    • ich habe eine gute idee. am besten töten wir alle tiere dieser erde, dann produzieren sie keine „klimagase“ und es wird kühler! und wenn nicht, dann lag es ja doch nicht daran. dann versucht man noch alle chinesen zu töten, da 1milliarden davon auch ganz schön viel CO2 produzieren. und wenn es dann immer noch nicht kalt genug ist führt die nato ein paar kriege! dann reduziert man weiterhin die menschliche bevölkerung. falls dann nichts passiert, dann liegt es vllt an einem globalen zyklus, der von einige menschlichen individuen nicht begriffen werden will und geochemischen ursprungs ist und die belebte umwelt diesen zwar schon immer beeinflusst hat, aber so minimal, dass bis auf kleine verschiebungen des ökologischen gleichgewichts nichts gravierednes passiert.

  5. Hey Schlachtreif,

    Du bist weder ein schlechter noch ein bemitleidenswerter noch ein besserer Mensch, sondern einfach anders im Sinne von „besonders“:

    Besonders klug, besonders empathisch, besonders sympathisch …

    Viele liebe vegane Grüße, PD

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