Eine Frage der Prioritäten?

Ein Tag hat 24 Stunden. Eigentlich viel zu wenig. Wer einen Job hat, sich nebenbei in irgendeiner Weise engagiert und eventuell noch ein paar Hobbys in der Wochenplanung unterbringen will, hat da schnell ein Problem. „Zeit hat man immer“, hörte ich vor kurzem jemanden sagen. „Es ist nur die Frage, wofür man sie sich nimmt.“ Eine schöne Vorstellung – aber stimmt das wirklich?

Im Moment fühlt es sich für mich nicht so an. Unzählige Dinge, um die ich mich gerne kümmern würde, muss ich hinten anstellen, weil ich einfach nicht dazu komme. Es ist schon ein kleines Wunder, das zumindest regelmäßig ein neuer Artikel auf diesem Blog erscheint. Denn vor und nach der täglichen Zeit in der Redaktion (dafür bin ich im Moment ungefähr zwischen halb zehn und halb sieben unterwegs) steht eine Menge auf dem Programm…

Kurze Verschnaufpausen

Da sind zunächst mal die wöchentlichen Treffen von Attac und Occupy. Die sind im Grunde kein Problem – auch wenn sich hin und wieder abends meine Motivation meldet, die sich eher in Richtung Bett als in Richtung Fahrrad bewegt. Die kurzen Verschnaufpausen zu Hause nutze ich meistens zum Kochen. Meine Ernährung soll schließlich nicht darunter leiden, dass der Terminplan mal wieder etwas eng gestrickt ist. Es ist mir wichtig, mir dafür die Zeit zu nehmen und zumindest abends warm zu essen – idealerweise auch in Ruhe.

Mit bloßer Anwesenheit ist es bei den Treffen allerdings meist nicht getan. Kein Wunder, nur durch Reden wird die Welt schließlich keine andere. Ich möchte mich einbringen, Veranstaltungen mit organisieren, Aufgaben übernehmen, meine Mitstreiter so gut wie möglich unterstützen. Sonst könnte ich es auch gleich lassen. So entsteht mitunter während der Treffen schon eine To-Do-Liste, die in den nächsten Tagen erledigt werden will. Referenten anschreiben, Protokolle schreiben, Ansprechpartner für Aktionen kontaktieren, Treffen für einzelne Arbeitsgruppen organisieren… und so weiter und sofort.

Fluch und Segen: To-Do-Listen

Ich bin ein großer Fan von To-Do-Listen, aber sie können mir durchaus zum Verhängnis werden. Manchmal wollen sie einfach nicht kürzer werden. Zumal natürlich auch ganz alltägliche Dinge wie Einkaufen, Wäsche waschen oder Wohnung putzen irgendwo untergebracht werden wollen. Für den Ausgleich zum Bürojob soll eigentlich auch der Sport nicht zu kurz kommen – noch mal eine Stunde weniger.

Ganz nebenbei möchte ich mich – wenn irgend möglich – auf dem Laufenden halten, was aktuelle Nachrichten angeht. Das heißt: Facebook, Twitter, Zeitung lesen und ein paar alternative Nachrichtenkanäle online verfolgen. Da kann einem schon mal der Kopf platzen. Schließlich sind die Themen, mit denen ich mich bevorzugt beschäftige, oft alles andere als leichte Kost: Europapolitik, Finanzsystem, Demokratie, Auslandsberichterstattung, Medienkritik … solche Themen muss ich erstmal verstehen und dann auch noch irgendwie verdauen. Das gleiche gilt für die vielen Gespräche während unserer Treffen. Überall lauert so interessanter Input, mit dem ich mich gerne intensiver auseinandersetzen würde. Die Liste der Bücher, die ich gerne lesen würde, wird immer länger. Dabei liegen noch zwei auf meinem Schreibtisch…

Persönliche Zukunftspläne

Und noch ein Aspekt kommt hinzu: Die eigenen Zukunftsvisionen. Wo soll die Reise für mich privat und beruflich hingehen? Wo liegen meine Prioritäten? Was kommt nach dem Volontariat/nach dem Studium? Ist das Studium überhaupt das Richtige oder schlägt mein Herz inzwischen für etwas ganz anderes? Kann ich die Welt tatsächlich in meiner Freizeit verändern oder müsste ich eigentlich hauptberuflich an der Weltverbesserung arbeiten? Lässt sich meine Arbeit mit meinem Engagement verbinden? Kann oder muss ich Teil des Systems sein, um es zu verändern?

Diese Fragen rückten vor allem in der letzten Woche auf den Plan, nachdem sich in der Innenstadt ein kleines Camp gebildet hat. Aus Solidarität zu einigen iranischen Asylbewerbern aus der Würzburger Gemeinschaftsunterkunft, die in den Hungerstreik getreten sind, bauten auch ein paar Occupier ihre Zelte auf. Auch meins steht dabei – allerdings ohne mich. Das Zelten an sich hält mich eigentlich nicht ab. Obwohl es nachts ja noch ziemlich kühl ist. Aber zurzeit würde ich es einfach nicht packen, ohne genug Schlaf und ohne meinen festen Tagesablauf alles auf die Reihe zu kriegen. Jeder soll sich schließlich dort einbringen, wo er kann – und wie er es kann.

Das große Ganze im eigenen Leben

Trotzdem gibt es so viele  Fragen und Möglichkeiten. Und so bin ich gerade fast pausenlos damit beschäftigt, Pläne zu schmieden: für den nächsten Tag, für die nächste Woche, für die kommenden Monate. Für das Frühjahr sind viele Protestaktionen geplant. Der 1. Mai, die Maifestspiele samt Mobilisierung an den Tagen zuvor. Außerdem werde ich zur re.campaign-Fachkonferenz nach Berlin fahren. Dazu kommen noch Fortbildungen und eine Uni-Fachschaftsfahrt. Ein volles Programm…

Es füllt mich aus, keine Frage. Es macht mir Spaß und ich will es nicht ja auch nicht anders. Trotzdem muss ich aufpassen, nicht den Kopf zu verlieren – und aus Gespräche weiß ich, dass ich nicht längst die Einzige bin, der es so geht. Es geht um das große Ganze, aber gleichzeitig um das eigene Leben. Es geht darum, herauszufinden, wo man persönlich steht und wo man hin will. Welche Erwartungen habe ich an mich? Welche Ziele? Was macht mich zufrieden? Noch sind die Antworten eher schemenhaft… ich hoffe, dass sie mit der (knappen) Zeit klarer werden.

Und apropos Zeit: An diesem Wochenende wird die Uhr umgestellt. Endlich Sommerzeit. Draußen scheint die Sonne und es ist warm. Da wirkt doch gleich der vollste Terminplan viel freundlicher.

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Ein Kommentar zu “Eine Frage der Prioritäten?

  1. Tja, ich ziehe den Hut vor die, was du so allesu unter bekommst. Da würde bei mir nicht mal ein Viertel von zusammenkommen… Was das finden der Antworten auf Fragen wie: wo soll es hingehen, was will ich für mich? Zumindestens aus meiner Erfahrung kann ich sagen, die Antworten ändern sich ständig, da man ja selbst und die Welt nie still steht…todo Listen zu haben ist da schon eine Super Sache um den Überblick nicht zu verlieren. Ich habs leider bis jetzt nicht Geschafft mich selbst soweit zu organisieren, als das ich todo Listen länger als einen Tag durchhalte. Dabei schwirren mir gerade im Moment soviele Dinge und Ideen durch den Kopf, das ich dringend eine Liste machen sollte um das alles aus dem Kopf raus zu haben, um Platz für neues oder einfach nur Platz zu schaffen. Also von meiner warte aus machst du ganz viel richtig, bitte weiter so!

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