Aufgeben is‘ nicht!

Hin und wieder kommt es vor, dass ich mich frage, wieso ich eigentlich diesen Blog schreibe. Schließlich gibt es unzählige Menschen, die meinen, ihre Gedanken und Meinungen im World Wide Web regelmäßig kundtun zu müssen – sinnvoll oder nicht, das sei mal dahingestellt. Warum also soll ausgerechnet ich mich in diesen Chor der Stimmen einreihen bzw. noch eine neue Stimme beifügen? Reicht es nicht langsam? Nehme ich mich damit nicht selbst viel zu wichtig?

Weit weg von Laptop und Co.

Unter der Woche bleibt für solche Zweifel normalerweise nicht viel Zeit. Aber das letzte Wochenende war prädestiniert dafür, mich in solchen Gedankenkonstrukten zu verlieren: Ich war auf Reisen. Und im Auto bzw. im Zug muss ich nie lange warten, bis mein Kopf sich mit solche grundlegenden Fragen meines Lebens beschäftigt. Klingt dramatisch – ist aber meistens auch ganz produktiv. Weit weg von Arbeit, Laptop und anderen Verpflichtungen bleibt dafür endlich mal ein gewisser Raum.

Ehrliches Interesse

Obwohl ich sagen muss, dass ich auch ohne diese Dramatik  genug zu erzählen hätte. Da wäre erstmal mein Mitfahrer, der mich auf dem Weg nach Hamburg gefühlte zwei Stunden über die vegane Lebensweise ausgequetscht hat. Ich meine das keinesfalls negativ – schließlich freue ich mich ja über ehrliches Interesse. Und auch wenn er sehr skeptisch war, hörte er sich doch alle Argumente in Ruhe an und ließ sie auf sich wirken.

Die kleinen Erfolge

Besonders interessant fand ich seine Aussage, dass er nicht so leben könnte wie ich, weil er dann ständig mit dem Gefühl leben müsse, nicht genug tun zu können. Nicht, dass ich dieses Problem nicht allzu gut kennen würde. Wenn man einmal begonnen hat, Dinge zu hinterfragen und verbessern zu wollen, fällt es oft schwer, die Grenzen der eigenen Wirkungsmöglichkeit zu akzeptieren. Aber andersherum weiß ich auch, dass ich nicht mehr anders leben könnte. Dann könnte ich mir selbst nicht mehr unter die Augen treten. Also versuche ich, nicht allzu oft darüber nachzudenken, wie gering mein Einfluss auf’s große Ganze ist, sondern stattdessen die kleinen Erfolge zu sehen – und die gibt es ja zum Glück immer wieder.

Davon bekomme ich Bauchschmerzen

Aber zurück zu seinem Argument – macht das einen Sinn? Er gab zu, dass er bestimmte Dinge einfach ausblendet, um sich damit nicht zu belasten. Was bringt es schon, sich das eigene Leben zu versauen, wenn man damit im Grunde auch nichts ändert? Ohje, man kann sich vorstellen: Diese Einstellung bescherte mir Bauchschmerzen. Auf den eigenen Vorteil bedacht sein ohne einen Blick über den Tellerrand zu wagen, weil man dabei unweigerlich feststellen würde, dass die Welt überhaupt nicht in Ordnung ist – genau das ist eines der Probleme, warum notwendige Veränderungen nicht oder sehr langsam stattfinden…

Der unbequeme Weg

Ich muss zugeben, auch ich habe inzwischen ein Stück Leichtigkeit und Unbeschwertheit verloren, weil ich mich bewusst dafür entschieden habe, Probleme nicht auszublenden, sondern mich immer wieder mit ihnen zu konfrontieren. Aber das nehme ich in Kauf. Ich kann nicht so tun, als wäre alles in bester Ordnung, nur um mir selbst den Spaß nicht zu verderben. Im Grunde kann ich es schon verstehen, wenn sich Menschen anders entscheiden als ich. Es ist bequemer und unkomplizierter. Aber es ist und bleibt unverantwortlich.

Vegane Belohnung

Nach diesem sehr engagierten Gespräch im Auto bekam ich in Hamburg dann zumindest eine kleine Belohnung und zwar in Form von veganem Eis (von der „Eisbande„)und einer veganen Currywurst (von „hin und veg„). Das Schanzenviertel hat – was alternatives Essen angeht – wirklich einiges zu bieten. Lecker! Hatte ich im Auto noch davon berichtet, dass ich – wenn überhaupt – nur Probleme habe, wenn ich in fremden Städten unterwegs bin, wurde ich gleich darauf eines Besseren belehrt. Und auch bei meiner nächsten Station in Kiel musste ich mir keine Sorgen machen. Dort wurde sogar extra für mich eingekauft und veganes Chili gekocht. Welch ein Service…

Doch es bleibt die Frage, die ich zu Beginn aufgeworfen habe: Ist das alles wirklich so berichtenswert, um es hier zu posten? Zum Glück war die Zugfahrt wie erwähnt ganz produktiv. Und so kann ich gleich mit drei Antworten dienen.

  1. Niemand ist gezwungen, mein Blog zu lesen. Ich habe damit begonnen, um ein „Ventil“ für Gedanken, Erfahrung und Ideen zu haben, die ich sonst nirgendwo unterbringen könnte. Das hilft mir oft, wieder einen klaren Kopf zu bekommen und meine eigenen Argumentationen kritisch zu hinterfragen. Wenn andere sich dafür begeistern können, umso besser. Wenn nicht, dann eben nicht.
  2. Ich habe schon so viele positive Rückmeldungen bekommen, die mich bestärken, weiter zu machen, auch wenn es ab und zu an der Motivation hapert. Erst am Wochenende erfuhr ich von einem Leser, der sich durch das gesamte Artikel-Archiv geklickt hat, weil er sich in irgendeiner Weise wiederfindet in dem, was ich schreibe. Schon allein deswegen lohnt es sich, weiter zu schreiben.
  3. Ich lese im Moment ein spannenedes Buch von einem Blogger der ersten Stunde. Er ist inzwischen bekannt für seinen politischen Blog „Spiegelfechter„: Jens Berger. In „Stresstest Deutschland“ geht er unter anderem darauf ein, welche Bedeutung und Möglichkeiten Blogs haben können und welches Gegengewicht sie zu den Mainstream-Medien aufbauen könnten. Vielleicht kann auch ich dazu einen kleinen Beitrag leisten. Schaden kann es jedenfalls nicht.
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4 Kommentare zu “Aufgeben is‘ nicht!

  1. Sehr schöner Beitrag, mit dem du bestimmt vielen Bloggern aus der Seele sprichst (z.B. mir)! Das Schreiben macht die Welt leider nicht besser. Es ist aber wie du sagst ein Ventil und eine Möglichkeit, eigene Gedanken weiter zu entwickeln. Gleichzeitig wirkt ein „idealistischer“ Blog natürlich wie ein Verstärker des inneren Gedankenballasts. Das fällt mir auch vor allem dann auf, wenn ich längere Zeit offline war. Dabei ist gerade dieser gelegentliche Abstand so wichtig.

    Ich glaub man sollte einfach nur dann schreiben, wenn man wirklich das Bedürfnis dazu hat. Und eben nicht aus dem Gefühl heraus, mal wieder was veröffentlichen zu müssen. Und wenn es nur ein Artikel im Monat ist – auch egal. Das hilft auch die großen Probleme nicht noch größer zu machen. In dem Sinne… will doch schwer hoffen dass du nicht aufgibst! :-)

  2. Heyho,

    nachdem ich also vom Marathon wieder in WÜ gestrandet bin begab ich mich auf ‚Blog-Suche‘. Möchte mich für die entstandenen Bauchschmerzen entschuldigen…

    Beste Grüße
    Der unverantwortliche Mitfahrer ;-)

    P.S.: Aufgeben is‘ echt nicht!

  3. „ich versuchs erst gar nicht; weil es könnte ja nicht klappen und dann bin ich enttäuscht“ ist doch echt dumm. ich bin der meinung, dass man es immer probieren sollte, wenn die erfolgschancen einigermaßen sind. ist auch immer die frage was man als „erfolg“ wertet. vielleicht wird durch deinen blog keiner vegan, aber einige werden zumindest über das thema nachdenken. und der input den du veganern gibst bewirkt ja auch schon was – ich lese deine posts gerne und kann da eingies für mich rausziehen, und sei es auch nur dass ich getröstet bin, dass andere ebensolche schwierigkeiten haben :-)

  4. ich schließe mich mausflaus an: die leute, die das hier lesen, werden auf jeden fall über die themen hier nachdenken.
    und ich bin sicher, dass du schon so den ein oder anderen menschen positiv beeinflusst hast … ;)

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