Antisexistische Awareness

Die Praxis steht in diesem Buch im Vordergrund. Wer sich für antisexistische Praxen interessiert und sexistischer Diskriminierung aktiv entgegentreten will, findet hier praktische Tipps. Leser*innen, die sich mit Awareness bislang noch nicht auseinandergesetzt haben, werden es allerdings ein wenig schwer haben: Sowohl der Schreibstil als auch die vorgestellten Konzepte sind mit ein wenig Vorwissen leichter nachzuvollziehen.

Die Autorin versucht trotzdem, alle Leser*innen mitzunehmen und startet mit der Definition aller wichtigen Begriffe: Antisexistische Awareness beschreibt sie als achtsamen und bewussten Umgang mit Betroffen_en von sexualisierter Gewalt und sexistischer Diskriminierung. Im Anschluss erklärt sie, was sie unter Gewalt und Diskriminierug versteht. Weiterhin geht sie auf die Bezeichnungen cis, trans und inter sowie Abelism und Schwarze Personen ein. Es folgt ein kurzer historischer Abriss über die Entstehung von Awareness.

Die folgenden Kapitel drehen sich um die praktische Arbeit: Welche Aufgaben und Formen der Awareness gibt es? Was bedeutet es, auf Parties, Festivals, Konferenzen oder Polit-Camps eine Awareness-Struktur anzubieten? Was sollten Menschen beachten, die Betroffen_e von sexualisierter Gewalt unterstützen wollen? Welche Probleme können auftreten und wie kann mensch mit diesen umgehen?

Auch wenn das Buch einen Fokus auf antisexistische Awareness legt, werden immer wieder Brücken geschlagen zu anderen Formen von Diskriminierung, z.B. Rassismus. Die wichtigste Botschaft des Buches lautet: Die Bedürfnisse der Betroffen_en sollten immer im Mittelpunkt stehen – und diese können ganz unterschiedlich sein. Trotzdem werden auch die Möglichkeiten der transformativen Arbeit mit gewaltausübenden Personen ausgelotet.

Theoretisches Hintergrundwissen folgt im zweiten Teil des Buches. Ein Kapitel widmet sich dem Thema Intersektionalität, also dem Zusammenwirken von verschiedenen Diskriminierungsverhältnissen. Die für die Awareness-Arbeit grundlegenden Konzepte Definitionsmacht und Parteilichkeit werden ausführlich dargestellt. Zuletzt geht Wiesental auf Traumata und Trigger ein.

Das Buch gibt einen guten Einblick in die Möglichkeiten und Grenzen der Awareness-Arbeit. Besonders für Gruppen, die bei Veranstaltungen oder innerhalb von Projekten Awareness anbieten wollen, finden hier nützliche Hinweise zur Vorbereitung. Für wen Awareness bislang ein großes Fragezeichen war, kann das Buch nutzen, um dieses auszuräumen – wenn er oder sie sich einlässt.

Einige Redundanzen im Buch hätten vermieden werden können. Außerdem ist zu berücksichtigen, wie begrenzt das Wirkungsfeld der Awareness im Moment noch ist. Je nachdem, in welchem Umfeld die Leser*innen aktiv sind, wirken manche Tipps eher unrealistisch. Andererseits ist genau das ein guter Grund, sich mit dem Thema zu beschäftigen.

Ann Wiesental: Antisexistische Awareness – ein Handbuch. Unrast-Verlag, Münster 2017. 163 Seiten, 12,80 Euro

Diese Rezension erschien in der CONTRASTE – Monatszeitung für Selbstorganisation (3/2018).

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