Wir sind friedlich. Was seid ihr?

Vielleicht hätte ich eine Strichliste führen sollen. Dann könnte ich jetzt aufzählen, wie viele Demonstrationen ich seit dem 15. Oktober 2011, dem ersten globalen Aktionstag der Bewegung für echte Demokratie, besucht oder mit organisiert habe. Da kämen schon ein paar Striche zusammen… und nein, das sage ich nicht, um mich damit zu brüsten. Im Gegenteil.

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Demokratie – eine Utopie?

Wer die Welt verändern möchte, kann dabei unterschiedliche Strategien verfolgen. Und nicht selten gehen die Meinungen über diese Strategien auseinander: Sollte man sich lieber erreichbare Ziele setzen und somit auf kleine Erfolgserlebnisse hinarbeiten, die vielleicht nicht den großen Umsturz bringen, aber zumindest punktuelle Wirkung entfalten? Oder muss man das Unmögliche  fordern, um überhaupt in die Nähe der großen Ziele zu gelangen und sich nicht mit Pseudolösungen abspeisen zu lassen, die an den wirklich fundamentalen Begebenheiten nichts ändern?

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Revolution mit der Suppenkelle

Alles steht bereit: 54 Plätze mit einem Teller warmer Suppe, daneben Brot, Kuchen und Kaffee. Um kurz nach zwölf strömen die Gäste in den warmen Speisesaal. Alle in der Hoffnung, noch in der ersten Runde einen Platz zu ergattern, denn vor allem am Ende des Monats sind die Tische schnell besetzt. Oft bildet sich dann eine lange Schlange vor der Tür. Eigentlich soll das kostenlose Angebot der Kana Suppenküche die Not der Menschen lindern. Doch paradoxerweise scheint die immer größer zu werden. Die Helfer der Suppenküche möchten sich selbst überflüssig machen, sind davon aber offenbar weiter entfernt denn je.

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(Noch) kein Grund zum Feiern

Es ist mal wieder soweit. Neues Jahr, neues Glück. Die Karten werden neu gemischt, alles zurück auf Anfang. Was im letzten Jahr schief gelaufen ist, gehört der Vergangenheit an. 2013 ist noch jung und hält hoffentlich ein Menge Glück parat – hoffen wir zumindest. Und so standen die Leute Silvester in den Straßen, tranken Sekt, feuerten Raketen in den Himmel und feierten. Aber warum eigentlich? Was gibt es zu feiern?

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Die Massen gehen, das Gefühl bleibt

Es waren Tausende. Bestens ausgerüstet und mit einem ausgereiften Plan im Gepäck blockierten die Demonstranten die wichtigsten Kreuzungen, umzingelten die Gebäude und brachten einen großen Teil der Stadt zum Erliegen. Sie blieben friedlich – auch als die Polizei mit Tränengas und Schlagstöcken anrückte. Die Aktivisten setzten ein Zeichen, das die Welt so schnell nicht vergessen wird.

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Urlaub? Fast.

Meistens erntete ich nur ein mildes Lächeln für meine Sorge. „Was, wenn die Revolution beginnt – und ich bin nicht da?“, fragte ich mich, bevor ich Anfang September zu meiner vierwöchigen Reise durch Europa aufbrach. Schließlich sollte das Bundesverfassungsgericht über den ESM entscheiden, die Aktivisten in Madrid wollten ihr Parlament besetzen und ein großes Bündnis wollte in Deutschland für eine gerechte Umverteilung der Vermögen demonstrieren. Und was mache ich? Urlaub. Zumindest fast.

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Versuch’s mal anders!

Schon das Titelbild der aktuellen Freitag-Ausgabe hat mich abgeschreckt. „Versuch’s mal mit Gewalt“ steht in großen Buchstaben neben einem einsamen Aktivisten, der in seinem Zelt hockt und mit seiner rechten Hand das Peace-Zeichen in Richtung Kamera streckt. Und weiter: „Ein Jahr Occupy: Die Bewegung ist gescheitert. Muss sie radikaler werden?“

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Wir, die Nervensägen

Alles ist gut. Keine Sorge. Krise? Ja, wo ist sie denn? Die Medien werfen uns tagtäglich apokalyptische Meldungen um die Ohren – und doch scheint bei der wohl verdienten Shoppingtour durchs sommerliche Städtchen alles seine gewohnten Bahnen zu gehen: Die Einkaufstüten in der einen, die Currywurst oder das Eis in der anderen. So lässt es sich doch leben, oder? Störungen sind da unerwünscht. Stress und Trubel hat man unter der Woche schon genug, da möchte man doch zumindest in Ruhe das Wochenende genießen.

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Mehr „Waschlappen“ braucht das Land

Man kann von ihm halten, was man will. Aber Johannes Ponader als „Waschlappen“ zu bezeichnen, weil er öffentlich seine persönliche Erfahrungen mit dem Jobcenter beschreibt, ist völlig fehl am Platze – und fördert ganz nebenbei auch noch die fortschreitende Marginalisierung und Verurteilung von Arbeitssuchenden, die staatliche Leistungen in Anspruch nehmen.

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Die Experten, das sind wir

Eigentlich sollte die Sache längst in trockenen Tüchern sein. Am gestrigen Sonntag, 1. Juli, sollten ESM und Fiskalpakt in Kraft treten. Um dieses Ziel zu erreichen wollte die Regierung in der letzten Sitzungswoche vor der Sommerpause, in der letzten regulären Plenarsitzung des Bundestages die Gesetzesvorlagen zügig absegnen lassen – in einer Nachtsitzung an einem Freitagabend.

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