»Entwicklungspolitik ist im Grunde ein Nebenschauplatz«

Im Post-Development wird das Konzept von Entwicklung hin zu »einer Welt« in Frage gestellt und über eine Welt, in der viele Welten Platz haben, nachgedacht.

Herr Ziai, Sie sprechen in einem Ihrer Texte von der »Erfindung der Unterentwicklung«. Es gibt also gar keine unterentwickelten Länder?

Ja, genau das ist die steile These. »Entwicklung« ist im Grunde eine soziale Konstruktion, die stark verwoben ist mit Machtverhältnissen. Das heißt nicht, dass es keine Unterschiede in den Lebensverhältnissen der Menschen gibt – das ist ja offenkundig. Die gab es aber auch schon, bevor der Entwicklungsbegriff eingeführt wurde. Und vorher, also bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts, wurden sich im Norden wenig Gedanken um die Lebensstandards in den Kolonien gemacht.

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Die Fesseln des globalen Marktes sprengen

Im Welthandel ist Fairness kein moralisches Prinzip, sondern ein instrumentelles Kriterium. Formale Chancengleichheit soll dafür sorgen, dass alle Länder sich vorteilhaft auf dem Markt positionieren und Gewinne machen können. Die Realität sieht allerdings anders aus: Während die Weltwirtschaft massiv wächst, lebt ein Großteil der Weltbevölkerung noch immer in Armut. Es braucht Kooperation statt Wettbewerb.

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Eine Frage der Möglichkeiten

Vor kurzem unterhielt ich mich mit einer Freundin darüber, ob und wie zufrieden wir beide mit unserer Jobsituation sind. Zur Einordnung: Wir sind beide 30 Jahre alt, sind in den letzten zwei Jahren mit der Uni und der Ausbildung fertig geworden und seitdem im Berufsleben. Noch vor wenigen Wochen hatte ich stolz erzählt, dass ich im Moment eigentlich wunschlos glücklich sei, was meine Arbeit angeht.

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Nur eine Krise sorgt für Veränderung

Die kanadische Journalistin Naomi Klein hat in ihrem Buch „Die Schock-Strategie – Aufstieg des Katastrophen-Kapitalimus“ bereits 2007 sehr detailliert beschrieben, wie nach Schocks wirtschaftlicher oder militärischer Art oder nach Naturkatastrophen neoliberale Reformen durchgesetzt wurden. Als Beispiele dienten ihr u.a. das „Wunder von Chile“ unter Pinochet, die Politik von Margaret Thatcher in Großbritannien nach dem Falklandkrieg und die USA nach dem Hurrikan Katrina. Im Sinne des „freien Marktes“ wurden sozialstaatliche Strukturen abgebaut und Privatisierungen vorangetrieben. Grundlage dafür war die sogenannte „Chicagoer Schule“, die vor allem der Ökonom Milton Friedman geprägt hat.

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Das schöne Leben – was ist das eigentlich?

Ein Lyriker der russischen Revolution soll den Leitspruch „Her mit dem schönen Leben!“ geprägt haben – eines meiner Lieblingszitate. Es bringt für mich so viel auf den Punkt, ist eingängig und leicht zu verstehen. Ein schönes Leben – das wollen wir doch alle! Und es steht allen Menschen gleichermaßen zu. Doch so einfach und banal diese Forderung auch klingt: Was ist das, ein schönes Leben?

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Ideal trifft auf Realität – oder: Wer putzt die Treppe?

Nein, solidarische Ökonomie macht nicht immer Spaß. Und nein, solidarische Ökonomie ist manchmal auch nicht der einfachere Weg. Unter den gegebenen Umständen (Stichwort: Kapitalismus und Patriarchat) bedeuten das Streben nach einem Ideal und der Versuch, die Dinge irgendwie anders zu gestalten, tagtäglich an Grenzen zu stoßen.

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Teilen ist Klimaschutz

Dank der Aktivist*innen von Fridays for Future ist das Klima-Thema inzwischen in aller Munde. Völlig zurecht sprechen sie nicht mehr vom Klimawandel, sondern von der Klimakatastrophe. Die Zahl der Unterstützer*innen und auch der Druck auf die Politik wird stetig größer. Im letzten Monat fanden weltweite Aktionen statt, u.a. ein Klimastreik am 20. September. Ich habe großen Respekt vor den Mobilisierungserfolgen, die diese Bewegung Woche um Woche feiert. Es ist unglaublich viel wert, dass sie ihren Ärger und ihre Zukunftsängste auf die Straße bringen – und damit sicherlich eine Menge erreichen.

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