Die Sache mit den Tropfen

Es ist ein altbekanntes Spiel: Ist das Glas halb leer oder halb voll? Sollen wir uns mit kleinen Schritten zufrieden geben oder gleich aufs Ganze gehen? Vielleicht ist auch der Weg schon das Ziel? Immer wieder werden Aktivist*innen, Bewegungen und NGOs mit solchen Fragen konfrontiert. Sie sollen ihren Erfolg messen – oder auch nur die Aussicht auf Erfolg. Aber geht das überhaupt? Wie soll er denn aussehen, dieser Erfolg?

Weiterlesen

Hierarchie adé: Über eine politische Willkommenskultur

An Problemen mangelt es ja grundsätzlich selten. Ich muss nur in die Tageszeitung schauen, im Internet surfen oder durch die Fußgängerzone laufen – überall kann ich mal mehr, mal weniger deutlich erkennen, wo eine Veränderung dringend Not tun würde. Zum Glück bin ich nicht die Einzige, der es so geht: Immer mehr Menschen engagieren sich, um ganz konkret eine Welt zu realisieren, so wie sie sich vorstellen – gerecht, solidarisch und ohne Herrschaftsstrukturen. Aber als gäbe es nicht schon genug zu tun, entstehen dabei auch ganz neue Probleme. Probleme, für die wir selbst verantwortlich sind und die uns zeitweise sogar vergessen lassen, worum es eigentlich geht.

Weiterlesen

Mal wieder auf die Straße?

Mit 1300 anderen Menschen bin ich am Wochenende durch die Kasseler Innenstadt gelaufen, um gegen die Freihandelsabkommen TTIP, CETA und TISA zu demonstrieren. In ganz Europa liefen zeitgleich ähnliche Aktionen, in mehr als 1000 Städten. Klingt beeindruckend. Trotzdem wollte sich bei mir keine richtige Euphorie einstellen. Bin ich etwa „demomüde“ geworden? Wieso kann ich mich an einem solchen Erfolg, der vielen Menschen viel Vorbereitung, Vernetzung und Mühe kostete, nicht richtig freuen?

Weiterlesen

Auf der Flucht

Es läuft mir kalt den Rücken runter, als er neben mir steht. Er schreit, aber ich verstehe seine Sprache nicht. Und trotzdem kann ich sie spüren, seine Verzweiflung, seine Angst und seine Sehnsucht. Er ist auf der Flucht: In der Hoffnung auf ein besseres Leben hat er sich in ein Boot gesetzt, das ihn an die europäische Küste bringen soll. Und das obwohl so viele seiner Freunde diese Reise nicht überlebt haben.

Weiterlesen

Wir sind friedlich. Was seid ihr?

Vielleicht hätte ich eine Strichliste führen sollen. Dann könnte ich jetzt aufzählen, wie viele Demonstrationen ich seit dem 15. Oktober 2011, dem ersten globalen Aktionstag der Bewegung für echte Demokratie, besucht oder mit organisiert habe. Da kämen schon ein paar Striche zusammen… und nein, das sage ich nicht, um mich damit zu brüsten. Im Gegenteil.

Weiterlesen

Gestatten: Die Bewegung

Es gibt Widersprüche, auf die treffe ich im Laufe des politischen Aktivismus immer wieder. Regelmäßig. Und sie scheinen sich auch niemals aufzulösen – zumindest nicht in meinem Kopf. Da ist auf der einen Seite die schier ungeheure Masse an schlechten Nachrichten, die jeden Tag auf mich einprasseln: Neue Zahlen zum verborgenen Hunger in der Dritten Welt, Berichte über die Folgen von Drohnen-Einsätze im Gaza-Krieg, Skandalmeldungen über unzumutbare Arbeitsbedingungen in Deutschland, steigende Suizidraten in Griechenland und Spanien. Im Grunde wäre eine der Meldungen schon genug, um sich den ganzen Tag darüber zu empören.

Weiterlesen

Revolution mit der Suppenkelle

Alles steht bereit: 54 Plätze mit einem Teller warmer Suppe, daneben Brot, Kuchen und Kaffee. Um kurz nach zwölf strömen die Gäste in den warmen Speisesaal. Alle in der Hoffnung, noch in der ersten Runde einen Platz zu ergattern, denn vor allem am Ende des Monats sind die Tische schnell besetzt. Oft bildet sich dann eine lange Schlange vor der Tür. Eigentlich soll das kostenlose Angebot der Kana Suppenküche die Not der Menschen lindern. Doch paradoxerweise scheint die immer größer zu werden. Die Helfer der Suppenküche möchten sich selbst überflüssig machen, sind davon aber offenbar weiter entfernt denn je.

Weiterlesen

(Noch) kein Grund zum Feiern

Es ist mal wieder soweit. Neues Jahr, neues Glück. Die Karten werden neu gemischt, alles zurück auf Anfang. Was im letzten Jahr schief gelaufen ist, gehört der Vergangenheit an. 2013 ist noch jung und hält hoffentlich ein Menge Glück parat – hoffen wir zumindest. Und so standen die Leute Silvester in den Straßen, tranken Sekt, feuerten Raketen in den Himmel und feierten. Aber warum eigentlich? Was gibt es zu feiern?

Weiterlesen

Teller statt Tonne

Meine Hände zitterten – ausnahmsweise nicht vor Kälte, sondern vor Aufregung. Ich hob den Deckel der Mülltonne an und leuchtete mit der Taschenlampe hinein. Gleichzeitig horchten meine Ohren aufmerksam, ob sich in der Nähe irgendetwas rührte. Doch die Angst, erwischt zu werden, war schnell vergessen, als ich die Massen an Obst und Gemüse sah, die dieser Supermarkt offenbar für nicht mehr konsumtauglich hielt.

Weiterlesen

Die Massen gehen, das Gefühl bleibt

Es waren Tausende. Bestens ausgerüstet und mit einem ausgereiften Plan im Gepäck blockierten die Demonstranten die wichtigsten Kreuzungen, umzingelten die Gebäude und brachten einen großen Teil der Stadt zum Erliegen. Sie blieben friedlich – auch als die Polizei mit Tränengas und Schlagstöcken anrückte. Die Aktivisten setzten ein Zeichen, das die Welt so schnell nicht vergessen wird.

Weiterlesen