Über mich

Ich sitze im Park und lese ein Buch. Klingt zunächst einmal harmlos und auch nur mäßig interessant. Doch bei näherer Betrachtung steckt sehr viel mehr dahinter: ein revolutionärer Akt.

Ich sitze im Park und lese ein Buch, während ich andere Dinge tun könnte und sollte. Aber statt einer Lohnarbeit nachzugehen, eine Shopping-Tour zu machen oder vor dem Fernseher zu sitzen, habe ich mich entschieden, meinen Interessen und meinen Bedürfnissen zu folgen und das schöne Wetter zu genießen.

Ich sitze im Park und lese ein Buch, das mich anstiftet – und zwar zu nichts Geringerem als dem Kampf gegen den Kapitalismus. Ich, ausgerechnet ich, soll ihn aufbrechen. Die Risse nutzen, die ihn schon lange brüchig machen. Die jeden Tag zahlreicher werden. Und die uns allen die Chance geben, eine bessere Welt zu erschaffen, hier und jetzt.

Die Frage nach dem Warum stellt sich für mich schon lange nicht mehr. Es ist offensichtlich, dass unser System nicht funktioniert: Es ist verantwortlich für globale Ungerechtigkeit, Gewalt, Armut, Krieg, Umweltzerstörung und Unzufriedenheit.

Etwas dagegen tun zu wollen, scheint aussichtslos und naiv. Ist es aber nicht: Es gibt unendlich viele Ansätze, Ideen und Möglichkeiten, dieses grausame Spiel nicht mitzuspielen und stattdessen eigene, neue Regeln aufzustellen. Regeln, die sich nicht an Profit und Macht orientieren, sondern an Solidarität, Herrschaftsfreiheit und unseren individuellen Bedürfnissen.

Revolution ist jetzt. Revolution ist jeden Tag, egal ob auf der Straße oder zu Hause, in Gemeinschaft oder im Alleingang, in der Öffentlichkeit oder im Verborgenen.

Regine im Park

„Dies ist die Geschichte des Mädchens im Park, die, all des Aufhebens müde, das um den einfachen Akt ihrer Lektüre (ihrer Lektüre des hier vorliegenden Buches) gemacht wurde, und doch von der Lektüre so angeregt, einen Stift zückt und diesen Paragraphen um viele viele viele viele viele viele Beispiele von Leuten ergänzt, deren Fehl-am-Platz-Sein ein Überschäumen ist. Und sich dann noch mal richtig daranmacht, denn sie weiß ja, dass das Buch unfertig ist.“ (John Holloway: „Kapitalismus aufbrechen“, S. 261)