Eine Antwort auf HNA-Kommentar

Das Bündnis „Rheinmetall entwaffnen“ hat vom 30. August bis 4. September sein Camp in der Kasseler Goetheanlage aufgeschlagen und eine Vielzahl von Aktionen organisiert. Der HNA-Redakteur Axel Schwarz schrieb dazu am 3. September einen Kommentar, der meiner Meinung nach so nicht stehen bleiben kann. Deshalb habe ich eine Antwort formuliert:

Sehr geehrter Herr Schwarz,

mit Verlaub: Wer hatte noch mal die Idee, Ihren Kommentar zu den Protesten von „Rheinmetall entwaffnen“ in einer Zeitung abzudrucken? Aus journalistischer wie aktivistischer Sicht mangelt es Ihrem Text nicht nur an stichhaltigen Argumenten, sondern auch an einer realistischen Einschätzung der Weltlage. Ja, ein Kommentar erlaubt Journalist*innen ihre Meinung zu äußern. Im besten Fall sollte sie allerdings begründet werden, sodass Leser*innen der Meinungsbildung folgen können – oder auch nicht.

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»Entwicklungspolitik ist im Grunde ein Nebenschauplatz«

Im Post-Development wird das Konzept von Entwicklung hin zu »einer Welt«
in Frage gestellt und über eine Welt, in der viele Welten Platz haben, nachgedacht.

Herr Ziai, Sie sprechen in einem Ihrer Texte von der »Erfindung der Unterentwicklung«. Es gibt also gar keine unterentwickelten Länder?

Ja, genau das ist die steile These. »Entwicklung« ist im Grunde eine soziale Konstruktion, die stark verwoben ist mit Machtverhältnissen. Das heißt nicht, dass es keine Unterschiede in den Lebensverhältnissen der Menschen gibt – das ist ja offenkundig. Die gab es aber auch schon, bevor der Entwicklungsbegriff eingeführt wurde. Und vorher, also bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts, wurden sich im Norden wenig Gedanken um die Lebensstandards in den Kolonien gemacht.

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Die Fesseln des globalen Marktes sprengen

Im Welthandel ist Fairness kein moralisches Prinzip, sondern ein instrumentelles Kriterium. Formale Chancengleichheit soll dafür sorgen, dass alle Länder sich vorteilhaft auf dem Markt positionieren und Gewinne machen können. Die Realität sieht allerdings anders aus: Während die Weltwirtschaft massiv wächst, lebt ein Großteil der Weltbevölkerung noch immer in Armut. Es braucht Kooperation statt Wettbewerb.

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Bei uns ticken die Uhren anders

Eine Entscheidung im Konsens zu treffen, braucht seine Zeit. Menschen aus selbstorganisierten Zusammenhängen wissen das zu gut – seien es Wohnprojekte, Kollektivbetriebe oder Politgruppen. Wir kennen diese langen Diskussionen, die einfach kein Ende nehmen. Entscheidungen, die vertagt oder zähneknirschend getroffen werden, obwohl nicht alle zufrieden sind – nur damit es ein Ergebnis gibt. Hoher Zeitaufwand und Ineffizienz sind auch gern genutzte Argumente gegen Konsensverfahren. Und ja, natürlich findet sich eine Mehrheit in der Regel deutlich schneller als ein Konsens. Warum also überhaupt der Aufwand?

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Militanter Protest als Ausdruck von Demokratie

Wo fängt Demokratie an und wo hört sie auf? Diese Frage beschäftigt mich, seitdem ich damals bei den Platzbesetzungen der Occupy-Bewegung dabei war. Häufig hörte ich dort den Slogan „This is what democracy looks like!“ („So sieht Demokratie aus!“) – in Abgrenzung zu einem politischen System, in dem das so genannte eine Prozent deutlich mehr Gewicht hat als die übrigen 99 Prozent der Bevölkerung.

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Eine Frage der Möglichkeiten

Vor kurzem unterhielt ich mich mit einer Freundin darüber, ob und wie zufrieden wir beide mit unserer Jobsituation sind. Zur Einordnung: Wir sind beide 30 Jahre alt, sind in den letzten zwei Jahren mit der Uni und der Ausbildung fertig geworden und seitdem im Berufsleben. Noch vor wenigen Wochen hatte ich stolz erzählt, dass ich im Moment eigentlich wunschlos glücklich sei, was meine Arbeit angeht.

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Nur eine Krise sorgt für Veränderung

Die kanadische Journalistin Naomi Klein hat in ihrem Buch „Die Schock-Strategie – Aufstieg des Katastrophen-Kapitalimus“ bereits 2007 sehr detailliert beschrieben, wie nach Schocks wirtschaftlicher oder militärischer Art oder nach Naturkatastrophen neoliberale Reformen durchgesetzt wurden. Als Beispiele dienten ihr u.a. das „Wunder von Chile“ unter Pinochet, die Politik von Margaret Thatcher in Großbritannien nach dem Falklandkrieg und die USA nach dem Hurrikan Katrina. Im Sinne des „freien Marktes“ wurden sozialstaatliche Strukturen abgebaut und Privatisierungen vorangetrieben. Grundlage dafür war die sogenannte „Chicagoer Schule“, die vor allem der Ökonom Milton Friedman geprägt hat.

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Trainieren für den Marathon

Im letzten Monat schrieb ich an dieser Stelle über das Konzept des „Buen Vivir“, des guten Lebens für alle, und seine Ursprünge im indigenen Südamerika. Eine Frage, die mich dabei bewegte, war, inwiefern sich dieses Konzept auf unseren Alltag im Globalen Norden übertragen lässt. Ideen, die das Wirtschaftswachstum und unsere Vorstellung von (materiellem) Wohlstand in Frage stellen, werden hier vor allem mit „Verzicht“ in Verbindung gebracht – ziemlich zu Unrecht, wie ich finde.

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