Eine Frage der Möglichkeiten

Vor kurzem unterhielt ich mich mit einer Freundin darüber, ob und wie zufrieden wir beide mit unserer Jobsituation sind. Zur Einordnung: Wir sind beide 30 Jahre alt, sind in den letzten zwei Jahren mit der Uni und der Ausbildung fertig geworden und seitdem im Berufsleben. Noch vor wenigen Wochen hatte ich stolz erzählt, dass ich im Moment eigentlich wunschlos glücklich sei, was meine Arbeit angeht.

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Nur eine Krise sorgt für Veränderung

Die kanadische Journalistin Naomi Klein hat in ihrem Buch „Die Schock-Strategie – Aufstieg des Katastrophen-Kapitalimus“ bereits 2007 sehr detailliert beschrieben, wie nach Schocks wirtschaftlicher oder militärischer Art oder nach Naturkatastrophen neoliberale Reformen durchgesetzt wurden. Als Beispiele dienten ihr u.a. das „Wunder von Chile“ unter Pinochet, die Politik von Margaret Thatcher in Großbritannien nach dem Falklandkrieg und die USA nach dem Hurrikan Katrina. Im Sinne des „freien Marktes“ wurden sozialstaatliche Strukturen abgebaut und Privatisierungen vorangetrieben. Grundlage dafür war die sogenannte „Chicagoer Schule“, die vor allem der Ökonom Milton Friedman geprägt hat.

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Trainieren für den Marathon

Im letzten Monat schrieb ich an dieser Stelle über das Konzept des „Buen Vivir“, des guten Lebens für alle, und seine Ursprünge im indigenen Südamerika. Eine Frage, die mich dabei bewegte, war, inwiefern sich dieses Konzept auf unseren Alltag im Globalen Norden übertragen lässt. Ideen, die das Wirtschaftswachstum und unsere Vorstellung von (materiellem) Wohlstand in Frage stellen, werden hier vor allem mit „Verzicht“ in Verbindung gebracht – ziemlich zu Unrecht, wie ich finde.

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Das schöne Leben – was ist das eigentlich?

Ein Lyriker der russischen Revolution soll den Leitspruch „Her mit dem schönen Leben!“ geprägt haben – eines meiner Lieblingszitate. Es bringt für mich so viel auf den Punkt, ist eingängig und leicht zu verstehen. Ein schönes Leben – das wollen wir doch alle! Und es steht allen Menschen gleichermaßen zu. Doch so einfach und banal diese Forderung auch klingt: Was ist das, ein schönes Leben?

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Die Gier ist nicht das Problem

Vor kurzem erzählte mir ein älterer Herr, was in der Welt alles schief läuft. Er zählte auf: Krieg, Umweltzerstörung, Armut – und dann noch „die ganzen Idioten“, die sich trotz allem nur um sich selbst kümmern und „keinen Bock“ auf irgendwas haben. Sein Frust war verständlicherweise sehr groß. Gleichzeitig belächelte er aber jede Idee, die ich ihm als Alternative präsentierte. Solche Gespräche ärgern mich. Was möchte dieser Mann von mir hören? Dass er Recht hat, die Welt sowieso vor die Hunde geht und wir deshalb auch nichts mehr ändern müssen? Will er von mir eine Art Freifahrtsschein für Hoffnungs- und Tatenlosigkeit?

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Was ist Selbstorganisation?

Das ist eine etwas seltsame Frage für jemanden, der oder die sich schon lange mit dem Thema beschäftigt – und sich selbst als ziemlich selbstorganisiert bezeichnen würde. Trotzdem ist es nicht schlecht, hin und wieder mal einen Schritt zurückzutreten und sich anzuschauen, was mensch eigentlich so treibt. Selbstorganisation – was bedeutet das ganz konkret? Wie funktioniert das? Und wie schlägt sich das in meinem Alltag nieder?

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Ideal trifft auf Realität – oder: Wer putzt die Treppe?

Nein, solidarische Ökonomie macht nicht immer Spaß. Und nein, solidarische Ökonomie ist manchmal auch nicht der einfachere Weg. Unter den gegebenen Umständen (Stichwort: Kapitalismus und Patriarchat) bedeuten das Streben nach einem Ideal und der Versuch, die Dinge irgendwie anders zu gestalten, tagtäglich an Grenzen zu stoßen.

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Teilen ist Klimaschutz

Dank der Aktivist*innen von Fridays for Future ist das Klima-Thema inzwischen in aller Munde. Völlig zurecht sprechen sie nicht mehr vom Klimawandel, sondern von der Klimakatastrophe. Die Zahl der Unterstützer*innen und auch der Druck auf die Politik wird stetig größer. Im letzten Monat fanden weltweite Aktionen statt, u.a. ein Klimastreik am 20. September. Ich habe großen Respekt vor den Mobilisierungserfolgen, die diese Bewegung Woche um Woche feiert. Es ist unglaublich viel wert, dass sie ihren Ärger und ihre Zukunftsängste auf die Straße bringen – und damit sicherlich eine Menge erreichen.

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Kollektiv arbeiten ohne Chef*in

Stellen Sie sich einmal vor, nicht Ihre Chefin würde entscheiden, wie viel Geld Sie verdienen, sondern Sie selbst – gemeinsam mit Ihren Kolleg*innen. Sie könnten sich überlegen, wie viel Sie zum Leben brauchen und auch wie viele Stunden Sie dafür aufwenden wollen.

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Rein in die Nische

Es ist ja immer so eine Sache mit Projekten in der Nische: Einerseits versprühen sie einen Optimismus, der bei der allzeit beklagten Alternativlosigkeit sehr erfrischend daherkommt. Es gibt sie also doch noch – diese Menschen, die nicht nur daran glauben, dass es anders geht, sondern es auch wirklich anders machen! Andererseits brauchen diese Projekte eine Menge Energie. Die Beteiligten müssen ein dickes Fell entwickeln, um ungläubige Blicke, Diskussionen, blöde Kommentare und mitunter auch interne Schwierigkeiten zu überstehen. Es braucht manchmal eine ganze Menge Geduld, Durchhaltevermögen und Überzeugung, um in der Nische nicht den Mut zu verlieren.

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