Wie ich lernte, an den Wandel zu glauben

Es war ein mutiges Experiment, das Marsili Cronberg da gewagt hat. Ein Fleischesser, der sich von den Vegetariern dieser Welt nicht länger ein schlechtes Gewissen einreden lassen wollte, begann sich mit dem Thema Fleischkonsum auseinanderzusetzen und ahnte wohl nicht, was ihm dabei blüht.

Inzwischen ist Cronberg Veganer – und zwar aus voller Überzeugung. In seinem Buch „Wie ich verlernte, Tiere zu essen“ (siehe auch „Veganer sind auch nur Menschen„) kann man seine persönliche Entwicklung miterleben. Es ist ein unterhaltsames Buch, keine Frage. Es nähert sich dem Thema auf eine unglaubliche offene und ehrliche Art und Weise. Und auch wenn der Autor ab und zu in sehr naturverbundene Tagträume abschweift, kann man eigentlich nicht anders, als ihn sympathisch zu finden.

Das wütende Etwas

Sein Buch setzt sich zusammen aus verschiedenen Blog-Artikeln, die sich mit den unterschiedlichsten Sichtweisen auf Tierkonsum beschäftigen. In meiner Ausgabe sind inzwischen zahlreiche Eselsohren und Markierungen – einfach, weil mir so viele Zitate und Argumentationen aus dem Herzen gesprochen haben. Besser hätte ich das meiste selbst nicht formulieren können. Und das will etwas heißen. Denn es kommt nicht selten vor, dass sich in meinem Bauch ein wütendes Etwas bildet, dass sich einfach nicht auszudrücken weiß und den unzähligen Kritikern (bzw. Nicht-Kritikern des Systems) nichts mehr entgegenzusetzen hat.

Der Glaube an den Wandel

Weil mir Cronbergs Ausführungen so gut gefallen haben, möchte ich ein paar von ihnen aufgreifen. Einige passen sogar zu einem meiner früheren Blog-Artikel. Zu aller erst ist es bewundernswert, wie tief der Glaube an den gesellschaftlichen Wandel im Autor gefestigt ist. Vielleicht liegt das gerade daran, dass er bei sich selbst eine derartige Veränderung miterlebt hat und gemerkt hat, dass er sich ihr nicht widersetzen kann, weil die Argumente für eine Ernährung ohne Fleisch überwiegen. Früher hielt er die Veganer für Romantiker – und diese Auffassung hält sich immer noch wacker. Dabei hat er Recht, wenn er sagt, dass die Veganer die Realisten und die Fleischesser die eigentlichen Romantiker sind. Wer glaubt schließlich die Märchen von grünen Wiesen und glücklichen Tieren? Wer glaubt an die heile Werbewelt, ohne sie kritisch zu hinterfragen?

Allgemein akzeptiert

„Nur weil Millionen Menschen etwas Dummes für richtig halten, wird es dadurch nicht schlauer.“ Wie wahr, wie wahr. Das erinnert mich an das Argument: „Wir haben doch schon immer Fleisch gegessen“ („Debatte ganz interaktiv„). Die Menschen fühlen sich im Recht, weil sie nur das tun, was alle tun. Und diese Auffassung ist so wahr, wie gefährlich. Beispiele dafür brauche ich wohl nicht zu nennen. Aber Cronberg liegt richtig, wenn er behauptet, dass kein einzelner Mensch für eine Lebensweise angeklagt werden kann, die von der Allgemeinheit akzeptiert wird.

Deswegen hofft er auf den Wandel dieser Allgemeinheit. Er hofft nicht nur, er glaubt daran. Er ist überzeugt, dass wir in einer Zeit der Entscheidung leben. Wir entscheiden, in welche Richtung wir zukünftig gehen. Und dabei geht es ihm nicht darum, die Welt von heute auf morgen zu ändern. Natürlich ist das unwahrscheinlich, das wissen auch wir Veganer. Trotzdem wird es oft als Totschlagargument vorgebracht. Aber der Autor fragt berechtigterweise: Ist das wirklich ein Grund, gar nichts zu machen?

Es beginnt mit den Träumern

Nein. „Der Mensch ist kein kritikloser Mitläufer“, sagt Cronberg. Ich persönlich bin davon noch nicht hundertprozentig überzeugt, aber ich hoffe, dass er Recht hat. Er träumt vom gesellschaftlichen Wandel – genau wie ich: „Es ist nur ein Traum. Gesellschaftlicher Wandel beginnt stets mit Träumern.“

Im Moment blickt er noch auf eine Gesellschaft, die ihre Probleme zwar kennt, aber ihre Augen davor verschließt – schließlich kann man eh nichts tun. Alles ist hoffnungslos. Irgendwann wird die Menschheit eh gegen die Wand gefahren. Selbstsüchtig und egoistisch nennt Cronberg das – zu Recht, wie ich finde. Die Menschen sind sich ihrer Verantwortung nicht bewusst, oder sie wollen es nicht. Aber das wird sich ändern, „weil die Zeit reif ist“.

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5 Kommentare zu “Wie ich lernte, an den Wandel zu glauben

  1. Ich habe es gestern bekommen und in einem Zug durchgelesen. Ich mochte es auf anhieb. Der Schreibstil in kurzen Geschichten ist gut gelungen und viele wichtige Themen werden angesprochen. Meine Lieblingsstelle ist u.a. das fiktive Interview mit dem Geschäftsführer der Firma PocNes Unilev. ;-)
    Die Sache mit dem Glutamat hat mich geschockt. Ich esse zwar so gut wie nie Fertigzeugs, aber ich werde in Zukunft noch viel mehr darauf achten.

  2. Mich hat es bei meiner Recherche hierher verschlagen
    bei der Gelegenheit hinterlasse ich hier noch ein Statment zum vegetariersein:

    Mit der Zeit – je länger man Vegetarier ist, desto weniger will man akzeptieren, dass die meisten Fleischkonsumenten oft weniger feinfühlig und tolerant sind als man sich wünschen würde.

    Es ist am Anfang zunächst der Widerwille Fleisch zu essen, weil wir die Haltung der Tiere einfach nicht “menschenwürdig” haben und die Haltung immer mehr pervertiert.
    Dazu kommt natürlich der Prozess des Schlachtens ansich. Mit der Zeit wandelt sich die Auffassung immer mehr zu einer echten und tief empfundenen Geisteshaltung.

    Ich habe das mal versucht in Worte zu fassen und da ein Bild mehr als 1000 Worte sagt,
    habe ich als Künstlerin versucht das bildlich darzustellen. Die Form des Comcics macht das ganze vielleicht zugänglicher siehe:

    ++++++++++++ http://www.mausebaeren.com/veggie.html +++++++++++++

    Falls man eine Erklärung braucht – und das ist immer wieder nötig, kann man das wohl genauso weitergeben.

    Also nutzt diesen Link, wenn Euch selbst die Worte fehlen.

    Viele Grüße,
    Christine

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